Vom 8.10.2009 bis zum 21.10.2009 organisiert der KJR Mühldorf in der Schenkerhalle in Waldkraiburg eine Ausstellung der Friedrich Ebert Stiftung unter dem Motto „Rechtsradikalismus in Bayern – Rechtsradikalismus bekämpfen, Demokratie stärken“. Die Ausstellung zeigt aktuelle Entwicklungen in der bayerischen Rechten auf: Codes, Auftreten, Aktivitäten, Strukturen, Netzwerke und Vorfälle. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Jugend-Szene, ihrem Auftreten in den Stilen anderer Jugendkulturen und ihren Aktivitäten (Musik, Lifestyle, Agitation und Propaganda). Zudem werden verschiedene Aktionsformen und Initiativen gegen das Erstarken der extremen Rechten vorgestellt. Die Ausstellung wird am 08.10. um 9:00 Uhr mit einer Vortragsveranstaltung zum Thema eröffnet.
Wir von IzAseJu beteiligen uns in Form eines Rahmenprogramms. Dabei bieten wir 4 Abende mit Vorträgen zu verschiedenen aktuellen und relevanten Themen. Bei allen unseren Veranstaltungen gilt, dass Personen, die aus der rechten Szene bekannt sind, oder ihr zugeordnet werden können keinen Zutritt haben (nach § 6 VersG/§ 10BayVersG). Für alle anderen besteht freier Eintritt, wir bitten allerdings um Spenden.
Zum Programm:
„Der Antisemitismus ist auch nicht mehr das, was er mal war…“ 09.10. | 19:00
Das „Erfolgsrezept“ des Antisemitismus ist bekanntlich seine Fähigkeit, als Verwandlungskünstler in immer neue Kleider zu schlüpfen. Diese Flexibilität des Ressentiments erschwert seine erfolgreiche Bekämpfung, denn nur wer Antisemitismus erkennt, kann auch erfolgreich gegen ihn vorgehen.
Beginnend mit mittelalterlichen Formen des Antisemitismus werden wir uns im Workshop gemeinsam zu seinen zeitgenössischen Erscheinungsformen in Deutschland vorarbeiten und mögliche Handlungsstrategien diskutieren. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Frage gelegt werden, über welche Formen der Umwegskommunikation das Ressentiment im postnazistischen Deutschland weiterexistiert.
Mit Florian Eisheuer, Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
Zeitzeugengespräch mit Ernst Grube 14.10. | 19:00
Ernst Grube wurde 1932 in München als Kind einer Jüdin und eines evangelischen Sozialisten geboren. Die „Arisierung“ des Wohnhauses zwingt die Eltern dazu ihre Kinder in ein jüdisches Kinderheim zu geben. Es folgen weiter Maßnahmen der Ausgrenzung. Ein Schulbesuch ist unmöglich, Beschimpfungen sind an der Tagesordnung. 1942 wird das Kinderheim schließlich aufgelöst.
Über Lager in Milbertshofen und Berg am Laim wird die Mutter mit ihren Kindern ins Konzentrationslager im tschechischen Theresienstadt deportiert. Das Lager wird am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit.
Neben den Erfahrungen seiner Kinderheit im Nationalsozialismus berichtet Ernst Grube von seinen Erfahrungen in Deutschland nach 1945 und thematisiert die heutige extreme Rechte.
Rechtsextreme Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft 16.10. | 19:00
Rechtsextremismus ist ein Phänomen, das sich nicht allein auf Wahlerfolge rechter Parteien oder gewalttätige Übergriffe eingrenzen lässt, die immer wieder Schlagzeilen in den Medien machen. Auf dem weniger öffentlich präsenten Niveau der politischen Einstellungen konnte die repräsentative Studie „Vom Rand zur Mitte“ von 2006 zeigen, dass rechtsextreme Einstellungen in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet sind und damit kein Problem der sog. gesellschaftlichen Ränder darstellt.
In der Nachfolgestudie „Ein Blick in die Mitte“ von 2008 wird den Entstehungsbedingungen von demokratischen und rechtsextremen Einstellungen nachgegangen. Dabei geht es auch darum, wie sich rechtsextreme Einstellungen manifestieren, wie diese intergenerationell weitergegeben werden und welche Möglichkeiten der Prävention bzw. Bekämpfung bestehen. Diese Fragen sollen im Mittelpunkt des Vortrages stehen.
Kathleen Pöge, Universität Leipzig, ist Mitarbeiterin an der o.g. Studie von 2008 und beschäftigt sich darüber hinaus mit Feminismus in der muslimischen und arabischen Welt
Rechte Strukturen in Bayern 20.10. | 19:00
Robert Andreasch berichtet an diesem Abend aus seiner Arbeit und gibt weiter, was er bei Veranstaltungen und Aufmärschen der rechten Szene erfährt: Mit welchen „Inhalten“ versucht wird, noch mehr Sympathisantinnen und Sympathisanten in der Bevölkerung zu gewinnen, welche Themen NPD, Kameradschaften aufgreifen und zu besetzen versuchen,wie sich NPD und und andere extreme Rechte zu organisieren versuchen.
Robert Andreasch zeigt rechte Rekrutierungsstrategien für Jugendliche auf und beleuchtet die Infrastruktur der extremen Rechten in Bayern. Er zeigt ein Bild der neonazistischen Szene jenseits der bekannten Klischees von dumpfen Skinheads, er erklärt vielmehr die multiplen Stile und Erscheinungsformen, in denen die süddeutsche extreme Rechte mittlerweile auftritt. Rassismus, antisemitische Hetze, Homophobie und andere Ressentiments der Neonazis enden dabei letztendlich immer in Gewalt.
Wie sozialwissenschaftliche Studien zeigen, sind diese Ideologien jedoch zunehmend auch in größeren Teilen der bayerischen Bevölkerung vorhanden. Ursachen dieser Entwicklung und notwendige Gegenmaßnahmen können an diesem Abend mit dem Referenten diskutiert werden.
Robert Andreasch ist Buchautor und TV-Journalist. Sein Arbeitsgebiet ist die Neonaziszene Süddeutschlands. Zahlreiche Medien im In- und Ausland veröffentlichen seine Recherchen und Beiträge, auch die Bundeszentrale für politische Bildung, der baden-württembergische Landtag und das bayerische „Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus“ greifen seine Arbeitsergebnisse auf. Aktuelle Veröffentlichung: „Traditionsbewußtsein und Heimatverbundenheit. Notizen aus Ostbayern“. In: Burschel, F. (Hg):
Stadt-Land-Rechts. Der braune Alltag in der deutschen Provinz.
Dietz-Verlag Berlin (erscheint 4.10.2009)
Außerhalb der Veranstaltungen hat die Ausstellung folgende Öffnungszeiten:
Mo-Do: 14:00 bis 16:00 Uhr
am Samstag, 10.10.: 13:00 bis 15:00 Uhr und
am Samstag, 17.10.: 10:00 bis 15:00 Uhr